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Humboldt-Universität zu Berlin - Wirtschaftswissen­schaftliche Fakultät

Die Heilig-Geist-Kapelle

Heilig-Geist-Kapelle in der
Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der
Humboldt-Universität zu Berlin
Spandauer Strasse 1, 10178 Berlin
HGK-Ansicht Innen Diagonal nach Osten Stefan Müller Frankfurter Allgemeine Zeitung - Artikel vom 07.11.2005
  HGK Innen Diagonal
nach Osten
Stefan Müller
Frankfurter Allgemeine
Zeitung

Artikel vom 07.11.2005

Besichtigungen

Ansprechpartnerin: Frau Barbara Wöß, Tel. 030/2093-5674, E-Mail: woess@wiwi.hu-berlin.de

 

Wiedereröffnung am 21.10.05 Reopening on Oct 21, 2005

 

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Zur Geschichte der Heilig-Geist-Kapelle

Die um 1300 errichtete ehemalige Kapelle des Hospitals zum Heiligen Geist stellt als das älteste in der Gesamtheit erhaltene Gebäude im historischen Stadtkern Berlins ein Baudenkmal von außerordentlichem Rang dar. Der Bau mit dem auf 1476 datierten Dachstuhl und dem um 1520 eingezogenen dreijochigen Sternrippengewölbe mit vegetabiler Ausmalung ist ein bau- und kunsthistorisches Schlüsselzeugnis des mittelalterlichen Berlin. Die im Jahre 2005 abgeschlossene Restaurierung der Kapelle ist das Ergebnis mehrjähriger enger Zusammenarbeit von Bau- und Kunsthistorikern, Restauratoren, Denkmalpflegern und Planern. Sie wurde gefördert und unterstützt von den Mäzenen und den Vertretern der Nutzer – der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät – und des Bauherrn - der Technischen Abteilung der Humboldt-Universität. Durch die Prüfung der ausführenden Firmen in Auswahlverfahren auf Erfahrung und Qualität, konnte ein dem Bauwerk entsprechender Ausführungsstandard erzielt werden. Die Heilig-Geist-Kapelle wurde am 21.10.05 festlich wiedereröffnet und wird seitdem als Festsaal der Humboldt-Universität für besondere Anlässe genutzt.

Fassaden

Die Heilig-Geist-Kapelle stand an der südöstliche Ecke des Heilig-Geist-Hospitals, in dessen Geschichte verschiedene Gebäudeteile im Norden und Westen an die Kapelle anschlossen. Anfang des 20. Jahrhunderts sollte die Kapelle für die Errichtung der Handelshochschule zunächst abgebrochen werden, wurde jedoch durch eine Kampagne bürgerschaftlichen Engagements gerettet und 1905 als Hörsaal in den Bau der Handelshochschule von Cremer & Wolffenstein integriert, so dass nun die Südfassade und der Ostgiebel die südöstliche Ecke des Hochschulgebäudes bilden.

Der 12,00 m breite und 17,00 m hohe Ostgiebel zur Spandauer Straße mit den drei Fenstern, der Gliederung durch Blendnischen und dem Schaugiebel wurde um 1300 errichtet. Der heutige Zustand ist Ergebnis zahlreicher Eingriffe aus verschiedenen Bauphasen. Gleiches gilt für die Südfassade, deren zwei äußere Fenster 1520 und das mittlere 1835 eingebaut wurden. Die Rückführung der Fassaden auf einen bestimmten historischen Zustand wurde aufgrund unzureichender Erkenntnisse über die Fassungen der Fassadengestaltung und die damit verbundenen erheblichen Eingriffe in die Substanz ausgeschlossen. Es wurden daher nur Maßnahmen ausgeführt, die eine langfristige Erhaltung der Bauteile sichern, den Wassereintrag der Bauteile vermeiden und die statische Funktion des Mauerwerks wiederherstellen. Zu letzterem ist insbesondere der Wiederaufbau der mit Einbau des Gewölbes 1520 zur Abtragung des Gewölbeschubes errichteten und nach dem 2. Weltkrieg abgebrochenen zwei Strebepfeiler an der Südfassade zu nennen. Auf eine Farbfassung wurde verzichtet, Ausnahmen stellen die Putzrücklagen der Ostwand, die Leibungen der Südfenster und die Maß- und Stabwerke der Fenster dar, die auf der Grundlage von Befunden farblich gefasst wurden.

Dach

Der auf 1476 datierte, mit den großen Holzquerschnitten sehr eindrucksvolle Dachstuhl ist als Kehlbalkendach mit zweifach stehendem Stuhl und Hahnenbalken mit 11,5 m Spannweite und 9,0 m Höhe weitestgehend erhalten. Bei dem Anbau der Handelshochschule wurde ein Dachstuhl mit 6,7 m Höhe aufgesattelt. Das Tragwerk des historischen Dachstuhls war seit mindestens Anfang des 19. Jahrhunderts durch Hausschwammbefall in seiner Standsicherheit gefährdet und durch die Behandlung mit krebserregenden Holzschutzmitteln in den 70er Jahren kontaminiert. Höchste Priorität bei der Instandsetzung des in Berlin Mitte einzigartigen Dachstuhls war der Substanzerhalt. Um diesen zu ermöglichen, wurden in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt zur Schwammbekämpfung thermische und chemische Maßnahmen eingesetzt und ein Pflegeplan für die Zukunft entwickelt. Zur Wiederherstellung der Standsicherheit wurde eine statische Ersatzkonstruktion eingebaut: Die Lasten der an den Auflagerpunkten stark geschädigten und z.T. nicht mehr tragfähigen Sparren und Balken werden in den noch tragfähigen Bereichen von Längslaufenden Sparrenunterzügen (Stahlrohre) bzw. Balkenunterzügen (Leimholzträger) abgefangen und auf vier Holzahmen mit Stahlunterspannungen umgeleitet. Die Holzrahmen leiten die Kräfte in die Längswände der Kapelle, sie fügen sich in Geometrie und Gestaltung in die Kehlbalkenebene des historischen Dachstuhls ein. Die Dekontamination des Dachraums von Holzschutzmitteln wurde in Abstimmung mit der Denkmalpflege und dem Bauherrn soweit durchgeführt, dass Restaurierungsarbeiten und Begehungen mit weniger aufwendigen Schutzmaßnahmen möglich wurden. Auf eine vollständige Dekontamination mit hohem Kostenaufwand wurde jedoch verzichtet, da der Dachraum nicht genutzt werden wird.

Das Dach wurde entsprechend einiger bei der Beräumung der Gewölbekappen im Dach gefundener historischer Biberschwanzziegel mit Handgeformten Dachziegeln mit Spitzbogenform neu gedeckt.

Um die Präsenz des historischen Dachstuhls im Gebäude der Wirtschaftswissenschaften zu erhöhen, wurden im Hörsaal-Foyer im 2.OG zwei Öffnungen mit Brandschutzverglasungen in der Gebäudetrennwand erstellt, durch die nun Einblicke in den Dachraum jederzeit möglich sind.

Innenraum

Der Innenraum mit 9,3 m x 16,7 m und bis zu 8,0 m Höhe ist geprägt von dem um 1520 eingezogene dreijochigen Sternrippengewölbe. Das 2001 entwickelte Restaurierungskonzept beinhaltete für den Innenraum die Instandsetzung und Restaurierung auf der Grundlage der Raumfassung von um 1520 und die Schaffung eines Festsaals mit zeitgemäßer technischer Ausstattung. Die Freilegungen der bauzeitlichen ornamentalen Gewölbe-Malerei brachte Befunde, die zwar nicht vollständig und von durchgehend gleich guter Qualität sind, jedoch einen so guten Eindruck der ursprünglichen Fassung vermitteln, dass sie restauriert und ohne Ergänzung präsentiert werden konnten. Überputzungen auf Wänden, Gewölberippen, Maß- und Stabwerken und Leibungen der Fenster wurden entfernt, die Bauteile wurden auf der Grundlage von Befunden und mit mittelalterlichen Techniken neu verputzt und farblich gefasst. Die bei der Freilegung des Bodens gefundenen historischen Ziegelplatten, die ca. 40% des Bodens bedecken, wurden durch entsprechende Nachbrände ergänzt. In die jeweils drei Fenster an der Ost- und Südfassade wurde zum Schall-, Wärme- und Vandalismusschutz eine zusätzliche äußere Verglasungsebene eingebaut, die erneuerten Bleiverglasungen beziehen in den Maßwerken der östlichen Fenster Gläser aus dem 19. Jahrhundert ein. Durch das wieder geöffnete Fenster in der Nordwand zum Fakultätsgebäude wird die Präsenz der Kapelle im Foyer erhöht. Der 1905 geschaffene Zugang zum Foyer mit der massiven Holztür wurde erhalten.

In der großen Nische in der Westwand, in der sich ehemals der Zugang zur Kapelle befand, sind die Befunde unterschiedlicher Bauzeiten hinter einer schlichten Verkleidung zum Raum erhalten. Funktional dient die Nische als Notausgang und Technikbereich, hinter der im oberen Teil klappbaren Verkleidung kann eine Projektionsfläche heruntergelassen werden. Die im Raum erforderlichen technischen Einbauten für Heizung, Elektroinstallation, Medien, Akustik und Beleuchtung sind, da die historischen Bauteile für Installationen nicht in Frage kamen, in ein ca. 1,50 m hohes Paneel an den Längsseiten integriert. Dieses ist dem Motiv des Holzpaneels von 1905 entlehnt, ist jedoch in der Materialität des brünierten Messings und der Gestaltung als neuzeitlicher Einbau erkennbar. Das Paneel nimmt die Gliederung des Raumes auf, in den Drittelspunkten streben Stelen mit Leuchten zu den tiefsten Punkten des Gewölbes. Zwei vom Gewölbe abgehängte Radleuchter geben dem Raum sowohl direktes als auch indirektes Licht. Die zurückhaltende und einfache Detaillierung und das Material des brünierten Messings werden entsprechend der Gestaltung des neuen Fensters in der Nordwand und des Paneels auch in den Leuchtern aufgenommen.

Kosten / Mäzene und Geldgeber

Die Kosten der Gesamtmaßnahme betrugen 2.750.000,- EURO.

Die Mittel wurden von folgenden Geldgebern / Sponsoren aufgebracht:

Deutsche Bank AG 510.000,- EURO
Cornelsen Kulturstiftung 255.000,- EURO
Deutsche Stiftung Denkmalschutz aus Mitteln der Fernsehlotterie Glücksspirale 255.000,- EURO
Klaus und Dr. Pia Krone 255.000,- EURO
Land Berlin 255.000,- EURO
Humboldt-Universität zu Berlin 1.220.000,- EURO

Termine

1995/96 Restauratorische Untersuchung des Innenraums durch Breitenfeldt & Kriesten
Anfang 2001 Sicherung der Finanzierung
04’2001 Beginn der Voruntersuchungen und der Planungen
05’03 - 05’04 Restaurierungsarbeiten Fassade und Dachraum
12’03 - 08’05 Restaurierungsarbeiten Innenraum

Publikation

Anlässlich der Wiedereröffnung wurde gemeinsam von der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Landesdenkmalamt Berlin ein Buch herausgegeben:

Die Heilig-Geist-Kapelle in Berlin
Geschichte Forschung Restaurierung

Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG
ISBN 3-86568-045-3
29,80 Euro

Heilig-Geist-Kapelle Buchvorderseite


s. a. www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/denkmale_in_berlin/de/kirchen/heilig-geist-kapelle.shtml