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Humboldt-Universität zu Berlin -

Geschichte der Fakultät


Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin ist eine traditionsreiche akademische Lehr- und Forschungseinrichtung. Hervorgegangen ist sie aus dem im Jahre 1886 gegründeten Staatswissenschaftlich-Statistischen Seminar der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin und der 1906 eröffneten Berliner Handelshochschule. Die frühen Jahren waren durch Nationalökonomen und Statistiker wie Richard Boeckh, Ladislaus von Bortkiewicz, Gustav von Schmoller, und Adolph Wagner geprägt, später waren illustre Ökonomen wie Theodor Betse, der spätere Nobelpreisträger Wassily Leontief, Heinrich von Stackelberg und Max Weber am Seminar tätig. 1904 beschloss die Berliner Kaufmannschaft, auf dem Grundstück zwischen Spandauer Straße, Neue Friedrichstraße (heute: Anna-Louisa-Karsch-Straße) und Heilig-Geist-Gasse ein Gebäude für eine neu zu gründende Handelshochschule zu errichten. Der Bauplan sah vor, die Heilig-Geist-Kapelle, die wahrscheinlich um 1300 erbaut wurde und somit eines der ältesten erhaltenen Gebäude Berlins ist, in den Neubau zu integrieren. Am 27. Oktober 1906 wurde die Berliner Handelshochschule feierlich eröffnet. Seit dieser Zeit wird in der Spandauer Straße 1 wirtschaftswissenschaftlich geforscht und gelehrt. Zu den Dozenten zählten renommierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler wie Friedrich Leitner, Konrad Mellerowicz, Willi Prion, Johann Friedrich Schär und Werner Sombart. Hugo Preuß, einer der Väter der Weimarer Verfassung, war 1918 für kurze Zeit Rektor der Hochschule, bevor er Staatssekretär und Innenminister der Reichsregierung wurde.

Noch vor 1933 begann die dunkle Phase in der Geschichte der Fakultät. Der Rechtstheoretiker Carl Schmitt, ein überaus prominenter Vordenker der NS-Herrschaft, wirkte schon seit 1928 an der Handelshochschule. Übergriffe auf jüdische Dozenten und Studierende gehörten seit etwa 1930 zur Tagesordnung. Zu den Dozenten, die aus dem Amt getrieben wurden, zählten Constantin von Dietze, Emil Lederer und Moritz Julius Bonn, international prominente Vertreter ihres Fachs. Andere wie Jens Jessen und Johannes Popitz folgten zunächst dem Kurs in die Diktatur, gerieten aber später in Gegensatz zum Regime und bezahlten dafür mit dem Leben. Auch der Holocaust machte vor der Fakultät nicht halt: Mit Franz Eulenburg geriet ein prominenter Nationalökonom und Statistiker in die Vernichtungsmaschinerie.

Nach dem II. Weltkrieg wurde die Handelshochschule unter maßgeblicher Mitwirkung des bekannten DDR-Ökonomen Jürgen Kuczynski in die neu gegründete Humboldt-Universität zu Berlin integriert. Die neue Sektion Wirtschaftswissenschaften verstand sich, so ein zeitgeschichtliches Dokument, "als kritischer Sachverwalter ihrer Traditionen, als aktiver Mitgestalter des Sozialismus, eng verwurzelt mit Berlin und seiner Wirtschaft."

Nach dem Fall der Mauer wurde die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät von einer international besetzten Struktur- und Berufungskommission unter Leitung des Bonner Ökonomen Wilhelm Krelle neu aufgebaut und Anfang 1993 wieder eröffnet. Dabei wurden neben Praxisbezug und Internationalität ein hoher wissenschaftlicher Standard, eine interdisziplinäre Ausrichtung sowie eine quantitative (statistisch-mathematische) Orientierung als Kriterien für Berufungen und Forschungsprofil formuliert.