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Humboldt-Universität zu Berlin -

Offenlegung

Schon seit Jahren beschäftigt sich unser Institut für Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung im Rahmen unserer Lehr- und Forschungsaktivitäten mit dem Offenlegungsverhalten von kleinen Kapitalgesellschaften in Deutschland und Europa (z.B. Gassen/Fülbier 2015). Dabei beleuchten wir die möglichen Determinanten und Konsequenzen dieser Entscheidungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

 

Aktuell führen wir hierzu eine Befragungsstudie mit ausgewählten kleinen Kapitalgesellschaften (also z.B. kleine GmbHs, AGs etc.) in Deutschland durch. Diese Umfragestudie beschäftigt sich mit den möglichen Gründen warum einige Kleinstkapitalgesellschaften nicht die Erleichterungen des MicroBilG in voller Form nutzen. Konkret interessieren uns dabei die möglichen Vor- und Nachteile, die diese Kapitalgesellschaften in der Offenlegung von finanziellen Informationen über das gesetzliche Minimum heraus sehen.

 

Was ist das MicroBilG?

Um kleine Kapitalgesellschaften bei der Erstellung des Jahresabschlusses zu entlasten hat der Gesetzgeber Ende 2012 das MicroBilG (Kleinstkapitalgesellschaften-Bilanzrechtsänderungsgesetz) umgesetzt. Seit diesem Zeitpunkt gelten für sog. Kleinstkapitalgesellschaften (für eine Definition siehe unten) zahlreiche Erleichterungen bei der Erstellung und Offenlegung des Jahresabschlusses. Zu diesen gehören:

  1. Jahresabschlüsse müssen nur noch hinterlegt und nicht mehr veröffentlicht werden
  2. Aufstellung einer vereinfachten Bilanz und einer verkürzten Gewinn- und Verlustrechnung ist ausreichend
  3. Verzicht auf Anhang (falls gewisse Angaben unter der Bilanz gemacht werden)

 

Hinterlegung oder Offenlegung?

Eine sehr entscheidende Änderung dürfte hierbei die Erlaubnis sein, den Jahresabschluss nicht mehr zu veröffentlichen, sondern lediglich zu hinterlegen:

  • Veröffentlichte Jahresabschlüsse sind online via dem Bundesanzeiger für jedermann einsehbar.

  • Hinterlegte Jahresabschlüsse sind nicht mehr im Bundesanzeiger auffindbar.

  • Hinterlegte Jahresabschlüsse lassen sich nur noch über das Unternehmensregister beziehen. Dazu ist eine Registrierung notwendig und gleichzeitig muss für jeden gewünschten Jahresabschluss eine Gebühr entrichtet werden.

 

Da durch die Hinterlegung der Zugriff auf den Jahresabschluss (und damit auf die finanziellen Informationen des Unternehmens) für Externe deutlich erschwert wird, könnte diese Offenlegungs- versus Hinterlegungs-Entscheidung weitreichende Konsequenzen haben.

 

Wer ist eigentlich betroffen?

Die Erleichterungen gelten grundsätzlich für alle Kleinstkapitalgesellschaften. Gemäß dem §267a HGB gelten Unternehmen als Kleinstkapitalgesellschaften, wenn diese zwei der drei Schwellenwerte (an zwei aufeinander folgenden Abschlussstichtagen) nicht überschreiten:

  • 350.000 Euro Bilanzsumme

  • 700.000 Euro Umsatzerlöse

  • eine durchschnittliche Zahl von bis zu 10 Beschäftigten

 

Darüber hinaus gelten zwar noch einige Ausnahmen; so sind diese Erleichterungen zum Beispiel nicht für Kreditinstitute anwendbar. Diese Ausnahmen dürften praktisch allerdings nur eine relativ geringe Anzahl an Unternehmen betreffen (eine gute Auskunft ist via dem Bilanz-Navigator auf der Publikations-Plattform des Bundesanzeigers möglich; der Link hierzu ist unten in der Link-Liste aufgeführt). Die genaue Berechnung der einzelnen Werte kann z.B. §276 (4)-(6) HGB entnommen werden.

 

Weiterführende Links zu diesem Thema:

 


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